Forschung

Die Tiere in unserem Denken müssen wieder mächtig werden,
wie in der Zeit vor ihrer Unterwerfung.

Elias Canetti

Aktuelles PostDoc-Projekt:
Tierordnungen in der Tora. Exegetische und ethische Perspektiven.

Die Tora ist das zentrale Textkorpus des Alten Testaments, dessen herausragendes Charakteristikum die Verbindung von narrativen und regulativen Texten ist. Tiere werden entsprechend ihrer Relevanz in der altisraelitischen Gesellschaft in der Tora ausgesprochen häufig erwähnt und dabei in  Beziehung zueinander, zu Menschen oder zu Gott(heiten) gesetzt. In allen drei relationalen Feldern stellt sich die Frage nach der Ordnung und Klassifizierung von Tieren.
Das Projekt will untersuchen, wie Tier-Tier-Relationen,  Tier-Mensch-Relationen, Tier-Gott-Relationen in der Tora  literarisch dar- und hergestellt werden und fragt nach deren ethischen Implikationen. Welche Auswirkungen hat dies auf die gesellschaftliche Normbildung und Wahrnehmung von Tieren? Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Opferpraxis und Ernährung, Herrschaftsverhältnisse und Schöpfungsbewahrung?

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Abgeschlossenes Promotionsprojekt:
Raum und Geschlecht im Hohelied

Das alttestamentliche Hohelied Salomos (Hld) ist geprägt von zahlreichen Raumangaben (Garten, Weinberg, Stadt, Mutterhaus usw.), sowie vom Auftreten auffällig starker, handlungsmächtiger Frauenfiguren. Die Dissertation untersucht die Wechselwirkung zwischen den Kategorien Raum und Geschlecht.
Dabei geht es um die literarisch-semantischen Funktionen von dargestellten  Räumen, die sich - in Anlehnung an Martina Löws soziologisches, handlungsorientiertes Raum-Modell - wesentlich aus den Figuren und ihrem (geschlechtsspezifischen) Handeln ergeben.
Eine inneralttestamentliche intertextuelle Untersuchung deckt auf, wie in anderen biblischen Texten diese Räume  konstituiert werden und inwiefern sie dort geschlechtlich konnotiert  sind.
Die Dissertation zeigt, dass Raum im Hohelied eng mit Liebe und Sexualität sowie geschlechtsspezifischen Figurenhandlungen verbunden ist. Spannung beispielsweise wird dadurch erzeugt, dass die Liebenden nicht per se vereint sind, sondern immer wieder (räumliche) Trennungssituationen gestaltet werden, in denen sie zueinander finden müssen (z.B. Stadtsphäre)..
Im Zusammenhang von Raum und Sexualität tritt außerdem der Aspekt der Grenzüberschreitung hervor. Literarisch findet die körperliche Grenzüberschreitung des  Geschlechtsakts ebenfalls in räumlichen Transgressionen Ausdruck:  Mindestens eine(r) der Liebenden muss gesetzte Grenzen überschreiten  (z.B. Gang ins Haus bzw. Hinterzimmer, Kommen bzw. Hinabsteigen in den  Garten, Hinausgehen ins Feld).

 

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